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Hören und gehört werden, Ideen austauschen und mitbestimmen: Digitale Partizipation leicht gemacht

Die Welt war schon vor Covid-19 vernetzt und verdichtet, und stellte in ihrer Komplexität schon zuvor das Herzstück unseres Gemeinwesens auf die Probe: die Demokratie. Wie genau es darum in- und außerhalb Europas beschaffen ist, berichtet jedes Jahr der Demokratie-Index der britischen Economist Intelligence Unit. Jetzt, wo die Pandemie die meisten Staaten fest in der Hand hat und Maßnahmen zur Eindämmung verhängt wurden, ist es möglich oder vielleicht sogar wahrscheinlich, dass weitere Restriktionen eintreten werden. In dieser Reading List teilen wir mit euch spannende Beiträge, Artikel und Projekte, die danach fragen, wie wir uns trotz Einschränkungen unserer Kontakte und physical distancing an gesellschaftlichen Fragestellungen beteiligen und diese mitbestimmen können, und welche Methoden der e-Partizipation uns darin unterstützen, den Dialog auf Augenhöhe aufrecht zu erhalten. 

Spannende How To’s rund um e-Partizipation bietet das Grünbuch des österreichischen Bundesministeriums für Kunst, Kultur, öffentlicher Dienst und Sport – ein fundierter Leitfaden für Partizipation im digitalen Zeitalter. Die Autor*innen heben die Bedeutung von Beteiligung und Transparenz für eine lebendige Demokratie hervor und sehen in digitalen Partizipations- und Kommunikationsformaten zeitgemäße Lösungsansätze. Sie argumentieren, dass der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien es ermöglicht, Beteiligungsprozesse einfacher zu gestalten und Beteiligungshemmnisse zu beseitigen. Bestimmte Zielgruppen können durch digitale Partizipationsformate besser erreicht und eingebunden werden als mit Hilfe analoger und präsenzbetonter Methoden. Wer kennt ihn nicht, den Monolog jener, die sich gerne reden hören und die Stille derer, die sich nicht trauen, ihre Meinung kundzutun? Hier schafft e-Partizipation auch auf diskursiver Ebene Abhilfe. 

Über Chancen und Herausforderungen eben solcher Initiativen informiert der Abschlussbericht zum Projekt ‚Offene Staatskunst – Bessere Politik durch Open Government«?‘. In dem von Google initiierten Co:llaboratory – ein Multistakeholder Think-Tank und Policy Labor – widmen sich Expert*innen aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft und dem Unternehmensbereich der Frage, wie Konzepte der Offenen Staatskunst in die politische Kultur am Beispiel Deutschlands integriert werden können. Im Kapitel ‚eParticipation: Einmischen erwünscht!’ findet ihr zahlreiche Empfehlungen für e-Partizipationsprojekte – von der Konzeption bis zur Umsetzung. Ein Schmankerl für diejenigen, die es ganz genau wissen wollen: die Best Practice Sammlung mitsamt Analysen und Erfolgsfaktoren.

Welche konkreten Tools für e-Partizipation können wir in unseren eigenen (Arbeits-) Alltag einbringen? Involve, eine in Großbritannien basierte, gemeinnützige Organisation bietet auf ihrer Website Einführungen (auf Englisch) in zahlreiche digitale Tools und Partizipationsverfahren an: Crowd-mapping, interactive whiteboards, interactive Q&A’s, etc. 

Eine beinahe ebenso umfassende Einführung in das Universum der e-Partizipation bietet das Kleine 1×1 der digitalen Partizipation von Zebralog. Der Fokus liegt auf den zusätzlichen Kompetenzen die e-Partizipation von den Organisator*innen einfordern. Die Beteiligungs- und Partizipationspioniere aus Deutschland haben auf ihrer Website eine ganze Reihe an Methoden, Tools und Ideen gesammelt, damit ihr eure Videokonferenzen interaktiver und partizipativer gestalten könnt, führen aber auch aus, dass noch kein*e Meister*in vom Himmel gefallen ist. Es gilt: üben, üben, üben!

Einen neuen Werkzeugkoffer für digitale Beteiligung bietet außerdem nonconform – das Büro für Architektur und partizipative Raumentwicklung in- und außerhalb von Österreich. Die neue Plattform nonconform live transferiert ausgeklügelte Beteiligungsprozesse in den virtuellen Raum und verspricht dabei eine kreativ-produktive Atmosphäre.

Eine kreative Möglichkeit, wie e-Partizipation weitergedacht werden kann, bietet das Kunstprojekt #HotPhones von Nadja Buttendorf durch die Augen (oder besser die Tastatur) von Magdalena Götz von der Zeitschrift Kunst Medien Bildung. Die Künstlerin rückt digitale Medientechnologien und Formen der neu ermöglichten (oder verhinderten) Teilhabe in den Fokus; die Porträtistin untersucht ihrerseits mögliche Konsequenzen und Schlussfolgerungen des Diskurses um Postdigitalität für den Begriff der Teilhabe. Spannend und amüsant zugleich, doch mehr verraten wir nicht. Have a look yourself!